Die neue EU-Gleichstellungsstrategie 2026–2030: Wichtige Impulse für Deutschland

Die Gleichstellungsstrategie 2026–2030 der Europäischen Kommission wurde im März 2026 veröffentlicht und setzt den strategischen Rahmen für die Gleichstellungspolitik der Europäischen Union (EU) in den kommenden Jahren. Sie knüpft an die vorherige Strategie (2020–2025) an und setzt den Einsatz für mehr Geschlechtergerechtigkeit als grundlegenden Wert innerhalb der EU fort. Zugleich reagiert die Strategie auf aktuelle Herausforderungen: Trotz der bisherigen Fortschritte bestehen weiterhin strukturelle Ungleichheiten. In einigen Bereichen ist zudem ein zunehmender gesellschaftlicher Backlash gegen die Gleichstellung von Frauen und Männern zu beobachten.

Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens geschlechtsspezifische Gewalt.

Frauen in der EU verdienen pro Stunde noch immer 12 Prozent weniger als Männer.

Die geschlechtsspezifische Rentenlücke liegt weiterhin bei 25 Prozent.

Die Beschäftigungsquote von Frauen liegt weiterhin 10 Prozentpunkte unter der von Männern. Dies allein bedeutet einen Verlust von 390 Milliarden Euro für die Europäische Wirtschaft.

Eine Verbesserung der Geschlechtergleichstellung in der EU könnte zu einem Anstieg des BIP pro Kopf um 9,6 Prozent und zu 10,5 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen bis 2050 führen.

Laut dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) wird es beim derzeitigen Fortschrittstempo noch mehr als 50 Jahre dauern, bis die vollständige Gleichstellung der Geschlechter erreicht ist.

Inhaltlich orientiert sich die Strategie an der Roadmap für Frauenrechte, die von der Kommission im März 2025 vorgestellt wurde, und bearbeitet acht zentrale Handlungsfelder. Dazu zählen insbesondere der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt, analog, wie im digitalen Raum, und die Förderung von Gesundheit und wirtschaftlicher Eigenständigkeit von Frauen. Weitere Schwerpunkte sind die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, faire Arbeitsbedingungen und gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus setzt die Strategie auf Bildung und den Abbau von Geschlechterstereotypen, die Stärkung der gleichberechtigten politischen und gesellschaftlichen Teilhabe sowie auf institutionelle Instrumente wie Gender Mainstreaming, um Gleichstellung systematisch in politische Entscheidungen einzubeziehen.

Für die nationale Gleichstellungspolitik in Deutschland ist die EU-Strategie von großer Bedeutung. Sie setzt politische Leitlinien, unterstützt bei der Umsetzung europäischer Richtlinien und fördert den Austausch von „Good Practices“ zwischen den Mitgliedstaaten. Damit stärkt sie die Weiterentwicklung gleichstellungspolitischer Instrumente und die europäische Zusammenarbeit. Gleichzeitig trägt sie dazu bei, internationalen Verpflichtungen – etwa im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele, der Aktionsplattform von Peking und aus dem Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Cedaw) – nachzukommen.

Die neue EU-Gleichstellungsstrategie ist eingebettet in das Zusammenspiel mit anderen Strategien und Initiativen. Sie ist Teil der „Union of Equality“ und steht in engem Zusammenhang mit der LGBTIQ-Gleichstellungsstrategie der Europäischen Union, dem EU-Aktionsplan gegen Rassismus, der Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und der Strategie zur Bekämpfung von Armut.

Mehr zur EU-Gleichstellungsstrategie in unserem Gleichstellungs-Lunch „Die neue EU-Gleichstellungsstrategie“.

Eine Übersicht über die Maßnahmen aus der EU-Gleichstellungsstrategie findet sich hier.