Feministische Führungs­kultur

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Jetzt bewerben: Gestaltet mit uns den 3. Gleichstellungstag

„zusammen:weiter“ – macht mit uns das Motto des 3. Gleichstellungstags am 6. Oktober 2026 in Berlin zum Programm und bewerbt euch bis zum 15. März mit euren Formatideen.

Angesichts frauenfeindlicher und antidemokratischer Strömungen weltweit sowie tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche hierzulande setzen wir beim Gleichstellungstag gemeinsam mit euch auf Zusammenhalt, Vernetzung und gemeinsames Weiterdenken. Denn wir sind überzeugt: Zukunft braucht Gleichstellung.

In diesem Jahr gibt es drei Beteiligungsmöglichkeiten:

  • Beteiligungsoption 1: Fachmesse, auf der Verbände und Institutionen sich und ihre Arbeit mit einem Informationsstand vorstellen können.

Außerdem sollen beim Fachkongress aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus gleichstellungspolitischer und -praktischer Perspektive beleuchtet werden. Hier gibt es weitere Beteiligungsmöglichkeiten:

  • Beteiligungsoption 2: Workshops, Diskussionspanel oder anderen Austauschformate (60 bis maximal 90 Minuten)
  • Beteiligungsoption 3: 20-minütige Bühnenformate auf einer unserer drei Bühnen „Junge Bühne – Zukunft braucht Gleichstellung“; „zusammen:weiter – Gleichstellung in Europa“ oder der „Blitztalk-Bühne“ mit Raum für kurze Impulse, Talks oder die Vorstellung von Studien und Projektergebnissen. Hier haben auch Unternehmen die Möglichkeit, ihre Gleichstellungsstrategie sichtbar zu machen und sich auf dem Gleichstellungstag einzubringen.

Alle weiteren Informationen zu den Beteiligungsformaten und zum Anmeldeprozess findet ihr auf www.gleichstellungstag.de.

Wir freuen uns auf eure vielfältigen Ideen und Einreichungen – damit wir zusammen bei der Gleichstellung weiterkommen!

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Wir laden ein zum 3. Gleichstellungstag!

Am 6. Oktober ist es soweit, der 3. Gleichstellungstag der Bundesstiftung Gleichstellung findet in Berlin und online statt. Die Teilnehmenden erwartet ein gewohnt vielfältiges Programm aus Information, Austausch, Diskussion und Vernetzung.

Beim diesjährigen Gleichstellungstag könnt ihr euch, wie schon beim letzten Mal, mit vielfältigen For-
matideen bewerben und somit das Programm aktiv mitgestalten.

Alle Informationen findet ihr ab sofort auf www.gleichstellungstag.de.

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#MehrAlsGuteVorsätze für Geschlechter­gerechtigkeit

Sich mehr bewegen, gesünder essen, weniger Zeit in den sozialen Medien verbringen – der Jahreswechsel ist für viele die Zeit der guten Vorsätze. Damit positive Veränderungen allerdings nachhaltig gelingen, braucht es #MehrAlsGuteVorsätze. Auch für gelebte Gleichstellung in Deutschland! Denn die Gleichberechtigung der Geschlechter ist in unserer Gesellschaft leider noch keine Wirklichkeit.

So ist zum Beispiel der Gender Pay Gap, der den Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern beschreibt, in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Aktuell beträgt er 16 Prozent, d. h. im Jahr 2025 haben Frauen pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger verdient als Männer.

Der Gender Pay Gap hängt eng zusammen mit dem sogenannten Gender Care Gap, der die ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit darstellt. Frauen leisten hierzulande rund 43 Prozent mehr unbezahlte Arbeit im eigenen Haushalt und für Angehörige als Männer – im Schnitt fast 9 Stunden pro Woche (Quelle).

Als Sexismus wird die relativ weit verbreitete Diskriminierung bezeichnet, die von der Vorstellung ausgeht, dass ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei. Besonders relevant ist hierbei die historisch und kulturell tief verwurzelte Abwertung des weiblichen Geschlechts. 80 Prozent aller Frauen und 65 Prozent aller Männer fordern stärkere politische Maßnahmen, um Sexismus vorzubeugen (vgl. Pilotstudie „Sexismus im Alltag. Wahrnehmungen und Haltungen der deutschen Bevölkerung“).

Als Bundestiftung Gleichstellung tragen wir auf unterschiedliche Weise dazu bei, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern effektiver durchzusetzen und bestehende Nachteile aus dem Weg zu räumen. Zum Beispiel mit einem Wissensangebot auf dieser Website und auf unseren Social-Media-Kanälen. Indem wir kommunale Gleichstellungsbeauftragte bei ihrer wichtigen Arbeit beraten. Oder dadurch, dass wir die Politik durch Handlungsempfehlungen unterstützen, die den Abbau struktureller Hindernisse und eine gerechte Teilhabe von Frauen und Männern zum Ziel haben – in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

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Geschlechtervielfalt anerkennen, Gleichstellung gestalten

Rechtliche Grundlagen und Handlungsräume für Geschlechtervielfalt in der Gleichstellungsarbeit

Wie können nicht-binäre Personen bei Stellenbesetzungen, in Gremien oder Quoten berücksichtigt werden? Welche rechtlichen Regelungen ermöglichen die Öffnung gleichstellungspolitischer Maßnahmen für Geschlechtervielfalt? Die Handreichung stellt Informationen, Praxisbeispiele und rechtliche Orientierung zu Geschlechtervielfalt in der Gleichstellungsarbeit bereit und richtet sich insbesondere an Gleichstellungsbeauftragte.

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Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – Wandel geschlechtergerecht gestalten!

Arbeitsprogramm der Bundesstiftung Gleichstellung 2026

Strukturwandel ist mehr als ein wirtschaftlicher Umbruch – er verändert Arbeitswelten, Lebensweisen, regionale Strukturen und das gesellschaftliche Zusammenleben. Mit unserem Jahresthema 2026 rücken wir die Chancen und Möglichkeiten eines gleichstellungsorientiert gestalteten Strukturwandels in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Denn Strukturwandel hält neben allen Herausforderungen auch die Gelegenheit bereit, neue Visionen für ein geschlechtergerechtes Miteinander zu schaffen. Wie wir das Thema „Strukturwandel geschlechtergerecht gestalten!“ im kommenden Jahr in unserer Arbeit – unter anderem auf dem 3. Gleichstellungstag – umsetzen werden, lesen Sie im Arbeitsprogramm 2026.

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Jetzt neu: Kurzfassung des Vierten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung

Klimawandel betrifft uns alle – aber nicht alle gleich

Der Vierte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung befasst sich damit, wie die sozial-ökologische Transformation geschlechtergerecht gestaltet werden kann.

Die neue Kurzfassung des Vierten Gleichstellungsberichts gibt die wesentlichen Inhalte des Gutachtens der Sachverständigen in kompakter Form wieder. Sie führt in die Relevanz des Themas ein und gibt einen Einblick in gleichstellungsrelevante Aspekte der im Gutachten untersuchten Handlungsfelder und -empfehlungen.

Die Kurzfassung steht Ihnen zum Download auf der Webseite der Gleichstellungsberichte zur Verfügung. Außerdem finden Sie dort die Kontaktdaten, um eine gedruckte Version der Kurzfassung zu bestellen.

 

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Erfolgsfaktor Gleichstellung – Strukturwandel geschlechtergerecht gestalten

Bundesstiftung Gleichstellung veranstaltet Fachtag zu gleichstellungsorientiertem Strukturwandel

Der tiefgreifende Strukturwandel in zahlreichen Regionen Deutschlands betrifft weit mehr als nur die Wirtschaft. Er verändert Arbeitswelten, Lebensweisen, regionale Identitäten und das gesellschaftliche Miteinander grundlegend. Vor diesem Hintergrund stehen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor großen Herausforderungen. Fragen der Gleichstellung der Geschlechter geraten dabei häufig aus dem Blick. Wie sich ein geschlechtergerechter Strukturwandel gestalten lässt, diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft beim Fachtag „In guter Gesellschaft?! Gleichstellungspolitische Chancen und Herausforderungen in Strukturwandelregionen“, den die Bundesstiftung Gleichstellung am 18. und 19. September 2025 in Berlin veranstaltet hat.

„Strukturwandel ist nicht nur eine Herausforderung. Strukturwandel ist gestaltbar. Und er ist eine Chance für mehr Gleichberechtigung“, so Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. „Wenn wir den Strukturwandel gerecht gestalten wollen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass Männer mehr Sorgearbeit übernehmen und dass Frauen die gleichen Chancen auf Karriere und Qualifizierung haben – unabhängig vom Arbeitszeitmodell.“

Lisi Maier, Direktorin der Bundesstiftung Gleichstellung: „Eine geschlechterblinde Strukturpolitik, die beispielsweise nur auf die Schaffung neuer Industriearbeitsplätze schaut, wird nicht erfolgreich sein. Neben vielfältigen Herausforderungen bietet der Strukturwandel jetzt ein besonderes Möglichkeitsfenster, neue Visionen für das Leben der Menschen vor Ort zu entwickeln und den Strukturwandel gleichstellungsorientiert zu gestalten.“

Mehr zum Fachtag finden Sie in unserer Pressemitteilung vom 19. September 2025 und im ausführlichen Rückblick zur Veranstaltung. Dort können Sie sich auch eine Aufzeichnung der Begrüßung und Einführung sowie der Vorstellung der Expertise von Dr. Virginia Kimey Pflücke ansehen.

 

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Neuer Stiftungsrat der Bundesstiftung Gleichstellung gewählt

Nach Berufung durch Stiftungsratsvorsitzende Karin Prien werden Mitglieder ihre Arbeit aufnehmen

Der Deutsche Bundestag hat am 18. September 2025 die Mitglieder des Stiftungsrates der Bundesstiftung Gleichstellung für die 21. Legislaturperiode gewählt. Unter Vorsitz von Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wird der neue Stiftungsrat die Arbeitsschwerpunkte und Vorhaben der Bundesstiftung Gleichstellung maßgeblich gestalten.

Lisi Maier und Dr. Arn Sauer, Direktorium der Bundesstiftung Gleichstellung: „Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit und einen konstruktiven Austausch mit dem neuen Stiftungsrat, um unser gemeinsames Ziel – die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland – zu erreichen. Ob bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Unterstützung der praktischen Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten vor Ort, einem Aufwachsen ohne starre Rollenbilder für Kinder und Jugendliche oder an weiteren Stellen: Wir werden mit vereinten Kräften daran arbeiten, Gleichstellung in Deutschland voran zu bringen.“

In der 21. Legislaturperiode gehören dem Stiftungsrat neben der Vorsitzenden Karin Prien (CDU/CSU) folgende Personen an:

CDU/CSU
Wolfgang Dahler (Stellvertretung: Stephan Albani)
Ralph Edelhäußer (Stellvertretung: Ellen Demuth)
Oliver Pöpsel (Stellvertretung: Harald Orthey)
Astrid Timmermann-Fechter (Stellvertretung: Dr. Anja Weisgerber)

SPD
Jasmina Hostert (Stellvertretung: Felix Döring)
Josephine Ortleb (Stellvertretung: Carmen Wegge)

Bündnis 90/Die Grünen
Ulle Schauws (Stellvertretung: Filiz Polat)

Die Linke
Kathrin Gebel (Stellvertretung: Maik Brückner)

Mehr zur Wahl des Stiftungsrates der Bundesstiftung Gleichstellung für die 21. Legislaturperiode finden Sie in unserer Pressemitteilung vom 18. September 2025.

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30 Jahre Peking – Weichenstellung für Gleichstellung weltweit

Ein Interview mit Claudia Lücking-Michel und Heidemarie Wieczorek-Zeul

Im September 1995 beschlossen die Vereinten Nationen in Peking ein wegweisendes Programm: Die Aktionsplattform der Vierten Weltfrauenkonferenz gilt bis heute als zentraler globaler Rahmen für die Verwirklichung der Rechte von Frauen und Mädchen. Sie ruft Staaten dazu auf, Gleichstellung in allen Lebensbereichen aktiv zu fördern – von Bildung über Arbeit bis hin zum Schutz vor Gewalt. Auch die Bundesstiftung Gleichstellung ist ein Ergebnis dieses internationalen Aufbruchs und der Forderung nach einer Stärkung institutioneller Gleichstellungspolitik: Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland zu stärken und zu fördern.

Eröffnungssitzung der Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking

30 Jahre nach Peking: Gleichstellung bleibt eine Daueraufgabe

30 Jahre später ist viel erreicht – doch Gleichstellung ist in diversen Bereichen noch lange keine Realität. Der weltweite Rückblick auf die Aktionsplattform macht deutlich: Fortschritt ist möglich – aber nicht garantiert. Deshalb braucht es entschlossene Politik, starke Institutionen und eine laute Zivilgesellschaft.

Die Bundesstiftung Gleichstellung arbeitet dafür, die Vision der Pekinger Aktionsplattform Realität werden zu lassen. Während wichtige Fortschritte erreicht wurden, erleben wir zugleich neue und verschärfte Herausforderungen: Globale Krisen, digitale Transformationen und die ökologische Wende verändern Lebensrealitäten und verlangen nach geschlechtergerechten Lösungen. Gleichzeitig beobachten wir einen besorgniserregenden Backlash: Antifeministische Narrative und Anti-Gender-Tendenzen gewinnen zunehmend an Sichtbarkeit und Einfluss. Gerade jetzt ist es entscheidend, Gleichstellungspolitik als gestaltende Kraft in Transformationsprozessen zu verankern – strukturell, intersektional und zukunftsgerichtet. Deshalb haben wir zwei Pionierinnen der internationalen Gleichstellungspolitik gefragt, wie sie die Vierte Weltfrauenkonferenz erlebt haben, und was es ihrer Meinung nach heute braucht, um eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen.

Heidemarie Wieczorek-Zeul und Claudia Lücking-Michel

Claudia Maria Lücking-Michel (*4. Februar 1962) ist Theologin und eine deutsche Politikerin (CDU). Von 2013 bis 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 2018 ist sie Geschäftsführerin von Agiamondo e. V. Seit 1993 engagiert sich Lücking-Michel in verschiedenen Funktionen im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) und war im Rahmen dieses Engagements auch Teil der deutschen Delegation zur Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking.

Heidemarie Wieczorek-Zeul (*21. November 1942) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Von 1998 bis 2009 war sie Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Neben ihrem bundesdeutschen Amt war sie zeitgleich Gouverneurin der Weltbank. Als inhaltlichen Schwerpunkt nennt Wieczorek-Zeul selbst die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen, den Kampf gegen Genitalverstümmelung und die Epidemien HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria. Seit 2016 berät sie die Bundesregierung im Rat für Nachhaltige Entwicklung.

Frau Lücking-Michel, Sie waren 1995 bei der Weltfrauenkonferenz in Peking dabei – was ist Ihnen persönlich von der Pekinger Aktionsplattform besonders im Gedächtnis geblieben? Was war besonders herausfordernd?

Lücking-Michel: „Woran werden wir uns erinnern?“ Mit dieser Frage beendete Gro Harlem Brundtland, damalige Ministerpräsidentin Norwegens, die Weltfrauenkonferenz in Peking, mit 36.000 Teilnehmer*innen die bis dato größte Konferenz in der Geschichte der UNO. Und woran erinnere ich mich? Zum Beispiel an die vielen staatlichen Spitzel und Kameras überall, mit denen die chinesische Regierung die internationalen Gäste auch im Hotel oder in der U-Bahn überwachen ließ, an Hillary Clinton, damals „nur“ Präsidentinnengattin, mit ihrem großartigen Bekenntnis zu Frauenrechten bei ihrem Auftritt auf dem NGO-Forum in Huairou oder an den Besuch bei der Untergrund-Kirche, mit Geleitschutz zum geheimen Treffpunkt.

Teilnehmende des NGO-Foums bei der Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking

Frau Wieczorek-Zeul, Sie haben viele Jahre als Bundesministerin mit den Ergebnissen der Pekinger Aktionsplattform gearbeitet – was ist Ihnen persönlich von der Pekinger Aktionsplattform besonders im Gedächtnis geblieben?

Wieczorek-Zeul: Ich habe selbst nicht an der Pekinger Weltfrauenkonferenz teilnehmen können. Als Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung habe ich ab dem Beginn meiner Arbeit 1998 aber immer auf den Verpflichtungen zur Sicherung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit der Frauen und damit zur freien Entscheidung der Frauen über ihre eigene Sexualität aufgebaut. In diesem Sinne haben wir Partnerländer beim Aufbau von Gesundheitssystemen, bei der Unterstützung von Frauen und ihren Initiativen und bei der Entwicklung des Globalen Fonds für die Bekämpfung von HIV/ Aids, Malaria und Tuberkulose geholfen.

30 Jahre später – wie fällt Ihre Bilanz aus: Was konnte aus der Aktionsplattform in Deutschland (und international) umgesetzt werden, und wo hakt es noch?

Lücking-Michel: Für mich war zentral die Vision einer Welt, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind, in der Frauen und Mädchen selbstbestimmt Entscheidungen über ihr Leben treffen können, in der Frauenrechte als Menschenrechte geachtet werden und ein Leben frei von Gewalt möglich ist. Die Aktionsplattform enthält dazu viele starke Forderungen. Gestritten wurde dagegen – heute kaum vorstellbar – etwa um das Erbrecht, die Frage des Zuganges von Frauen zu Land und Geld, damit auch zu Krediten. Vor allem aber fehlt eine ausdrückliche Bestätigung für gleiche Würde und gleiche Rechte von Frau und Mann. Theoretisch sind wir da heute weiter, aber auch dreißig Jahre später sind längst nicht alle beschlossenen Maßnahmen umgesetzt. Politische Willenserklärung und Wirklichkeit klaffen nach wie vor weit auseinander.

Wieczorek-Zeul: Das Denken und Handeln hat sich bis heute – 30 Jahre später – in unserem Land deutlich geändert. Aber noch immer sind die Auswirkungen der jahrzehntelangen Diskriminierung im Leben der Frauen auch in Deutschland zu spüren: Das Steuersystem prämiert noch immer eher die nebenberufstätige Frau in einer Ehe, die Einkommensdifferenz zu Männern besteht fort, die Kinderbetreuung entspricht noch immer nicht einem Land, das sich ansonsten an der Spitze wähnt, die Renten von Frauen sind noch immer Ausdruck früherer Lebensschicksale. Und Gewalt gegen Frauen zeigt sich in der unerträglich hohen Zahl von Anschlägen und Morden an Frauen und Mädchen.

Welche Themen der Pekinger Plattform halten Sie heute für besonders aktuell oder sogar dringlicher als damals?

Lücking-Michel: Bei den Debatten in Peking drehte sich zu Recht alles um „Empowerment“, also um das Anliegen, Frauen selbst stark zu machen in ihrem Kampf um gleiche Rechte, bessere Bildung und gleichberechtigte Teilhabe bei allen Fragen von Gesellschaft, Politik und Kirche. Das bleibt auch 30 Jahre später ein wichtiges Ziel.

Wieczorek-Zeul: Weltweit werden die sexuellen und reproduktiven Rechte der Frauen von vielen Seiten bedroht. Aus der aktuellen US-Politik wird Gegenaufklärung betrieben. Deren Ziel: Hinter die Aufklärung zurückzukehren, verstärkt patriarchales und autoritäres Denken und Handeln durch „Ansteckung“. Deshalb kommt es darauf an, dass Europa klare Gegenposition gegen diese Tendenz zeigt und alle unterstützt, die die wichtigen Botschaften der Pekinger Aktionsplattform in der Praxis verwirklichen wollen und die der Gewalt gegen Frauen ein Ende bereiten wollen.

Was wünschen Sie sich politisch wie gesellschaftlich für die nächsten 10 Jahre Gleichstellungspolitik?

Lücking-Michel: Für die nächsten Jahre zitiere ich noch einmal Gro Harlem Brundlandt: „Lasst uns heute unsere strategischen Siege zählen und nicht die taktischen Niederlagen. Die Geschichte aller Freiheitskämpfe sagt uns, dass Leben, Freiheit, Gleichheit und Chancen niemals gewährt wurden. Sie sind immer errungen worden.“ Das kann ja nur eins heißen: Weitermachen!

Wieczorek-Zeul: Politisch wünsche ich mir, dass die Nachhaltigkeitsziele der Gesundheit, der Bekämpfung von Ungleichheit aktiv umgesetzt und auch finanziert werden. Wir müssen wehrhaft sein auch gegen Armut, Pandemien und Klimawandel! Ausgaben für Militär dürfen nicht zu Lasten der sozialen und internationalen Verantwortung gehen. D.h. die Arbeit des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/ Aids, Malaria und Tuberkulose muss massiv auch finanziell unterstützt werden. Denn HIV/ Aids könnte bis 2030 tatsächlich beendet werden! Wir müssen bei uns, aber auch weltweit, wegkommen von einer Militarisierung des Denkens, von der Tendenz, das Recht des Stärkeren durchzusetzen.

Hintergrund

Plenum der Vierten Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen

Worum geht es in der Pekinger Aktionsplattform?

Die Pekinger Aktionsplattform ist ein umfassendes, international anerkanntes Programm zur Förderung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen. Sie wurde auf der Vierten Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen 1995 in Peking verabschiedet und gilt bis heute als eines der wichtigsten und umfassendsten Übereinkommen von 189 Regierungen weltweit zur Stärkung von Mädchen und Frauenrechten.

Ziel: Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen erreichen – durch konkrete Maßnahmen und politische Verpflichtungen.

Die 12 zentralen Handlungsfelder

Die Plattform identifizierte 12 Schlüsselbereiche, in denen Frauen weltweit benachteiligt werden. Diese „critical areas of concern“ bilden den Kern der Plattform:

  • Frauen und Armut: Bessere wirtschaftliche Teilhabe, Zugang zu Ressourcen und sozialer Absicherung
  • Bildung und Ausbildung: Gleichberechtigter Zugang zu allen Bildungsstufen, lebenslanges Lernen
  • Frauen und Gesundheit: Zugang zu medizinischer Versorgung, sexuelle und reproduktive Gesundheit
  • Gewalt gegen Frauen: Schutz, Prävention, Strafverfolgung und Unterstützung von Betroffenen
  • Frauen und bewaffnete Konflikte: Schutz von Frauen in Kriegsgebieten, Rolle in Friedensprozessen stärken
  • Frauen und Wirtschaft: Gleichstellung am Arbeitsmarkt, faire Bezahlung, Vereinbarkeit
  • Frauen in Macht und Entscheidungspositionen: Politische und wirtschaftliche Teilhabe, Quoten, Führung
  • Institutionelle Mechanismen für Gleichstellung: Aufbau von staatlichen Strukturen zur Gleichstellung (wie z. B. die Bundesstiftung Gleichstellung)
  • Menschenrechte der Frauen: Frauenrechte als unteilbarer Teil der Menschenrechte
  • Frauen und Medien: Stärkere Sichtbarkeit, weniger Stereotype, Zugang zu Technologie
  • Frauen und Umwelt: Beteiligung an Umweltpolitik, gendergerechte Nachhaltigkeit
  • Mädchen: Schutz vor Frühverheiratung, Genitalverstümmelung, Förderung von Bildung und Rechten

Bedeutung bis heute

  • Die Plattform ist ein starkes politisches Bekenntnis mit weltweitem Einfluss.
  • Viele nationale Gleichstellungsinstitutionen, Gesetze und Programme (wie auch die Bundesstiftung Gleichstellung) haben ihre Wurzeln in diesem historischen Dokument.
  • Der Umsetzungsstand wird regelmäßig von der UN überprüft. Die „UN Commission on the Status of Women (CSW)“ trifft sich jährlich in New York und analysiert den Fortschritt bei der Umsetzung der Pekinger Aktionsplattform – zuletzt im Rahmen des Jahrestages „Peking+25“ im Jahr 2021 und „Peking+30“ in diesem Jahr.
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Online-Wissens-Tool zu feministischer Führungskultur in Organisationen ab heute verfügbar

Arbeitswelten und Arbeitsorganisation sind nicht geschlechtsneutral. Gerade beim Thema „Führungs- und Organisationskultur“ braucht es daher konkretes Wissen über Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit. Die neue digitale Selbstlernreise der Bundesstiftung Gleichstellung vermittelt dieses Wissen – informativ, unterhaltsam und anwendungsorientiert. Entdecken Sie das Konzept der feministischen Führung ab sofort auf unserer Lernplattform.

Die Selbstlernreise umfasst fünf interaktive Lernstationen mit insgesamt 26 Einheiten, einem umfangreichen Workbook, Reflexionsfragen sowie Quizformaten und Praxisimpulsen: von den theoretischen Grundlagen über Strategien zur Organisationsentwicklung bis hin zu ihrem Beitrag für gesellschaftlichen Wandel. Das Wissens-Tool richtet sich an alle Fach- und Führungskräfte sowie Teams, die ihre Arbeits-, Führungs- und Organisationskultur strukturell gerechter und machtkritischer gestalten wollen.

Die Lernplattform ist Teil der langfristigen Arbeit der Bundesstiftung Gleichstellung, Geschlechtergerechtigkeit in Organisationen zu fördern und innovative Ansätze in der Gleichstellungsarbeit sichtbar zu machen.