Was beinhaltet feministisches betriebliches Gesundheitsmanagement?
Frauengesundheit am Arbeitsplatz ist eher ein Nischenthema in der Arbeitsmedizin.
Grundsätzlich betrachtet Gender Medicine die Diagnose und Therapie von Erkrankungen aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive. Erkrankungen wie Endometriose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie gesundheitliche Folgen der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren werden erst langsam in die ärztliche Ausbildung und Praxis integriert und gesellschaftlich diskutiert. Daher ist auch das Wissen darüber auch in der Arbeitsmedizin wenig verbreitet.
Zusätzlich arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, was zu verdichtetem Arbeiten führen kann. Sie können von horizontaler und vertikaler Segregation, z. B. fehlender Anerkennung von berufsbedingten Mehrfachbelastungen etwa in der Altenpflege, sowie von Zeitmangel durch parallele Erwerbs-, Sorge- und Pflegearbeit betroffen sein. Gesundheitliche Auswirkung der berufsbedingten Belastungen können bspw. Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Altenpfleger*innen sein, von denen der Großteil weiblich ist.
Gesundheitsfördernde Maßnahmen am Arbeitsplatz stellen daher eine wichtige Maßnahme auf dem Weg zu einem geschlechtergerechten Arbeiten dar.
Geschlechtergerechtes betriebliches Gesundheitsmanagement strebt an, spezifische Herausforderungen und Belastungen für Frauen in verschiedenen Berufen zu berücksichtigen.
Ein geschlechtergerechtes betriebliches Gesundheitsmanagement kann dazu beitragen, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass frauenspezifische Gesundheitsbedarfe berücksichtigt werden. Hierzu zählen z. B. die Themen Mutterschutz, Menopause und Menstruation am Arbeitsplatz.
Zyklusorientiertes Arbeiten
Zyklusorientiertes Arbeiten berücksichtigt die Bedürfnisse von menstruierenden Frauen / Personen und setzt sich dafür ein, dass Arbeitsbedingungen entsprechend angepasst werden.
Eine menstruationsfreundliche Organisationskultur nimmt die Bedürfnisse von Mitarbeitenden ernst und fördert ein gesundes und unterstützendes Umfeld. Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten, Rückzugsräume oder offene Kommunikation tragen dazu bei, Belastungen zu reduzieren und das Wohlbefinden zu steigern.
Die Auseinandersetzung mit diesem Thema kann dazu beitragen, Barrieren abzubauen und eine integrativere Organisationskultur zu schaffen.
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Wissens-Check machenQuellen
Latza, Ute (2018): Frauengesundheit als Thema in der Arbeitsmedizin – aktuelle Perspektiven. Vortrag auf der 3. Frauengesundheitskonferenz der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Hannover, https://www.frauengesundheitsportal.de/fileadmin/user_upload/Frauengesundheitskonferenz_2018/Frauengesundheitskonferenz_2018_Praesentation_Vortrag_Latza.pdf (Abruf: 24.01.2025).
Pardue, Mary-Lou/Wizemann, Theresa M. (2012): Exploring the Biological Contributions to Human Health: Does Sex Matter? In: Institute of Medicine (US) Committee on Understanding the Biology of Sex and Gender Differences, National Academies Press (US), https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23007056/ (Abruf: 24.01.2025).
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) (ohne Datum): Periods@Work – Why the Topic of Menstruation belongs at Work, https://gender-works.giz.de/events2024/periodswork-why-the-topic-of-menstruation-belongs-at-work/ (Abruf: 24.01.2025).