1. Strukturwandellabor: Zukünfte geschlechtergerecht gestalten – soziale Innovation fördern
Zur Veranstaltung
- Rechte: Ellery Studio

Am 16. und 17. Juni 2026 fand das erste Strukturwandellabor der Bundesstiftung Gleichstellung statt. Etwa 40 Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft kamen zusammen, um gemeinsam aktuelle Herausforderungen, Erfahrungen und Perspektiven rund um die geschlechtergerechte Ausgestaltung von Strukturwandelprozessen zu diskutieren. Ziel der Veranstaltung war es, die Vernetzung im politischen Mehrebenensystem zu fördern, den Austausch zu innovativen Lösungsansätzen anzuregen und nicht zuletzt, Zukunftsszenarien für einen geschlechtergerechten Strukturwandel zu entwickeln.
- Rechte: Ellery Studio

Lisi Maier, Direktorin der Bundesstiftung Gleichstellung, lud die Teilnehmenden zum Denken und Experimentieren ein und bedankte sich für die Bereitschaft von allen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen einzubringen. Die Laborsituation ermöglichte einen kreativen Rahmen mit verschiedenen Methoden und bot so einen geschützten und offenen Austausch. Franziska Rauchut, Leitung des Bereichs Wissen, Beratung, Innovation der Bundesstiftung Gleichstellung, blickte auf den vergangenen Fachtag zum geschlechtergerechten Strukturwandel „In guter Gesellschaft?!“ aus dem Jahr 2025 zurück und stellte das Strukturwandellabor unter folgende Leitfragen: Inwiefern lassen sich in komplexen Transformationsprozessen wie dem Strukturwandel Ressourcen und Rollen neu verteilen sowie Leitbilder oder gar die Geschlechterverhältnisse selbst neu gestalten? Welche Ideen, Konzepte und Instrumente braucht es dafür? Die Vorstellung der Ausstellung „Gender Gaps in der Lausitz“ durch Jasmin Schadock, Projektmitarbeiterin vom Institut für neue Industriekultur (INIK), und eine inhaltliche Einführung in das Thema durch Sarah Clasen und Lukas Zielinski, Wissenschaftliche Mitarbeitende der Bundesstiftung Gleichstellung, boten den Teilnehmenden erste Wissensimpulse für die kommende Workshopphase. Dabei wurde deutlich, dass sich Auswirkungen des Strukturwandels, also tiefgreifende Veränderungen der Wirtschaftsstruktur und damit verbundene Veränderungen in der Erwerbs- und Beschäftigungsstruktur, in der Lausitz, dem Rheinischen oder Mitteldeutschen Revier und in weiteren Regionen wie unter einem Brennglas verdichten. Der demografische Wandel, die Digitalisierung oder die sozial-ökologische Transformation wurden als globale Mega-Treiber identifiziert. Ob bei der Abwanderung junger Menschen aus ländlichen Regionen, dem Zeitaufwand für Sorgearbeit, der Repräsentanz in Entscheidungsgremien oder der Lebensqualität – überall zeigen sich signifikante Geschlechterunterschiede im Verlauf und in der Gestaltung des Strukturwandels.
- Rechte: Ellery Studio

Im Mittelpunkt der Workshopphase standen Beiträge und die Expertise der teilnehmenden Expert*innen. Sie berichteten etwa von einer interministeriellen Zusammenarbeit zur Aufwertung von Dienstleistungsberufen, sich wandelnden Männlichkeiten, dem zivilgesellschaftlichen Engagement von FLINTA* of Color in Ostdeutschland oder der Rolle der Gleichstellungsbeauftragen in der lokalen Strukturwandelpolitik. In den Diskussionen der Workshopgruppen wurde deutlich, dass der Strukturwandel ein komplexer und multidimensionaler Transformationsprozess ist, in dem Gleichstellung zwar kein „Selbstläufer“ ist, der aber dennoch viele Stellschrauben für eine gleichstellungsorientierte Ausgestaltung bietet. Im weiteren Verlauf entwickelten die Teilnehmenden verschiedene Zukunftsszenarien für den Strukturwandel. Dabei wurde wiederholt deutlich, dass Strukturwandelverständnisse und darauf aufbauende Politiken, die sich ausschließlich auf Industrie- und Wirtschaftsförderung sowie technologische Lösungen konzentrieren, eine Gefahr für die Geschlechtergleichstellung darstellen. Dagegen betonten die Teilnehmenden die Bedeutung einer ganzheitlichen Perspektive auf den Strukturwandel, die auch soziale Infrastruktur, öffentlicher Daseinsvorsorge, intersektionale Perspektiven und Care-Arbeit miteinbezieht.

In ihrem Resümee hob Franziska Rauchut noch einmal hervor, wie wichtig es sei, Strukturwandelstrategien mit Gleichstellungsstrategien zu verknüpfen. Ausgehend von den wichtigen Impulsen des Strukturwandellabors werde sich die Bundesstiftung Gleichstellung auch weiterhin für geschlechtergerechte Weichenstellungen für die Strukturwandelregionen einsetzen. Dazu gehöre auch, dass die Bundesstiftung eine umfangreiche Strukturwandelstudie beauftragt hat, die die Autorinnen Prof. Dr. Melanie Jäger-Erben, Prof. Dr. Jana Rückert-John und Dr. Virginia Kimey Pflücke voraussichtlich bis Mitte 2027 vorlegen werden. Die Ergebnisse sollen anschließend im 2. Strukturwandellabor zur Diskussion gestellt werden. Zum Schluss verabschiedete Franziska Rauchut die Teilnehmenden mit der Aufforderung, die Überzeugung, dass Gleichstellung jeden gesellschaftlichen Prozess beflügelt, mit in ihre Netzwerke und Felder zu nehmen: „Forschen Sie in der Wissenschaft weiter zu den Beharrungstendenzen der Geschlechterverhältnisse und geben uns Antworten an die Hand, wie wir den Androzentrismus überwinden können; integrieren Sie in Verwaltungen und in der Politik Gleichstellungsindikatoren in Förderprogramme und Ausschreibungen; vernetzen Sie sich als Gleichstellungsbeauftragte und streuen Gleichstellungswissen; bleiben Sie offen und feministisch-rebellisch in der Zivilgesellschaft und geben die wichtigen intersektionalen Impulse in die Politik.“
- Rechte: Ellery Studio

Eindrücke der Veranstaltung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung
- Rechte: Bundesstiftung Gleichstellung