Gleichstellung durch Normung: Neuer DIN EN ISO Leitfaden zur Geschlechtergleichstellung veröffentlicht
Zur Veranstaltung
Die Bundesstiftung Gleichstellung lud gemeinsam mit DIN e. V. am 16. April 2026 zu einer Lunch-Veranstaltung. Anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Sprachfassung des „Leitfaden für die Förderung und Umsetzung der Geschlechtergleichstellung und das Empowerment von Frauen“ mit der Nummer DIN EN ISO 53800 diskutierten Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik über Chancen und Herausforderungen dieses Instruments.
Die DIN EN ISO 53800 unterstützt Organisationen dabei, Gleichstellung strategisch zu verankern. Dazu wird methodisch ein Steuerungszyklus zur Verfügung gestellt, mit dem systematisch Verbesserungen erreicht und überprüft werden können. In den Bereichen Governance, Außenbeziehungen, der internen und externen Kommunikation sowie bei den Aktivitäten und Investitionen der Organisation gibt der Leitfaden Impulse für eine wirksame Umsetzung von Gleichstellung. So geht es beispielsweise um eine tatsächliche Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit bei der Personalgewinnung und -beurteilung oder Geschlechtergerechtigkeit in Beschaffungsprozessen.
Nach der Vorstellung des Leitfadens durch Dr. Regina Frey gab es ein vielfältig besetztes Panel:
- Olivia Trager, Stellv. Abteilungsleiterin, BDA | Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
- Cornelia Emili, Vorstandsvorsitzende, AWO Bezirksverband Oberbayern e.V.
- Ralph Edelhäußer, MdB, Mitglied im Stiftungsrat der Bundesstiftung Gleichstellung
- Anke Skopec, CEO & Head of Research, BIFI | Berlin Institute for Innovation
- Dr. Anja Seng, Präsidentin, FidAR Frauen in die Aufsichtsräte e.V.
- Julia von Tschirnhaus, Abteilungsleiterin, DIN
Das Panel wurde im Nachgang als Fishbowl-Format geöffnet und das Publikum nutzte die Gelegenheit, um Fragen zu stellen und in einen vertieften Austausch zu kommen.
Zur Veranstaltung kamen über 100 Interessierte. Nach dem inhaltlichen Teil konnten sich die Anwesenden über den Dächern Berlins austauschen und vernetzen.
Wichtige Erkenntnisse der Diskussion waren:
Der Leitfaden schafft Klarheit in Begrifflichkeit und Methodik und kann somit unter anderem gesetzliche Vorgaben unterstützen – auch wenn die Anwendung der Norm natürlich freiwillig ist. Sowohl private als auch öffentliche Organisationen können die Norm nutzen und von einer gemeinsamen internationalen Begriffsbasis für die Geschlechtergleichstellung profitieren.
Organisationen sind wichtig für die Gleichstellung, da sie Orte der Stabilisierung oder Veränderung von gesellschaftlich ungleichen Geschlechterverhältnissen sind. Gleichstellung wirkt sich dabei positiv auf die Arbeitsergebnisse eines Unternehmens bzw. einer Organisation aus: Sie reduziert Fluktuation, verbessert das Betriebsklima und stärkt somit auch die Attraktivität eines Arbeitgebers.
Das Instrument eines Leitfadens ermöglicht sowohl großen Unternehmen, als auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Organisationen Strategieentwicklung und Selbstreflexion in Sachen Gleichstellung. Dabei gibt der Leitfaden viele Impulse, macht aber wenige konkrete Vorgaben: Es wird eine vielfältige Nutzung ermöglicht, indem Organisationen den Leitfaden an die eigenen Strukturen und Voraussetzungen anpassen können. Dies ist einerseits eine Stärke des Dokuments. Andererseits muss in der konkreten Anwendung darauf geachtet werden, dass es nicht lediglich zu einer „rhetorischen Modernisierung“ kommt, so Dr. Regina Frey. Die Norm kann und möchte gesetzliche Regelungen nicht ersetzen, sondern ist als mögliche Ergänzung zu bestehenden rechtlichen Vorgaben zu verstehen.
Hintergrund:
Die internationale ISO-Norm ist bereits im Mai 2024 veröffentlicht worden. Nun wurde sie in eine DIN überführt und mit einem Anhang zu den Schnittstellen zum deutschen Recht ergänzt.
Die Bundesstiftung Gleichstellung hat maßgeblich an der Erarbeitung der Norm mitgewirkt: Obfrau des DIN-Ausschusses ist Dr. Regina Frey, Leitung des Bereichs Gleichstellungs-Check der Stiftung sowie die Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs Dr. Jana Hertwig.
Den Vortrag von Dr. Regina Frey zur Vorstellung der deutschen Sprachfassung der DIN EN ISO 53800 finden Sie hier als PDF-Dokument zum Download.
Fotos: Isa Foltin
Eindrücke der Veranstaltung
- Foto: Isa Foltin
- Rechte: ©Isa Foltin for DIN
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