Themenfeld Arbeit
Warum wir Arbeit neu denken müssen: Die Auswirkungen einer ungleichen Arbeitsteilung
Wenn wir von Arbeit sprechen, meinen wir oft bezahlte Erwerbstätigkeit. Doch unbezahlte Sorgetätigkeiten sind gesellschaftlich notwendig, werden wenig anerkannt und oft unsichtbar gemacht. Diese Care-Arbeit wie z.B. Pflege von Angehörigen und Fürsorge für Kinder wird vornehmlich von Frauen geleistet (Gender Care Gap: 43,4 Prozent). In der Folge sind Frauen öfter in Teilzeit beschäftigt und verdienen weniger (Gender Pay Gap 16 Prozent). Hinzu kommt, dass Jobs in Branchen mit hohem Frauenanteil oft schlechter bezahlt sind und Frauen auf den oberen Hierarchieebenen unterrepräsentiert sind. Die Folgen der Ungleichverteilung von gesellschaftlich notwendiger Arbeit sind neben niedrigeren Löhnen oftmals gesundheitliche Probleme durch die Mehrbelastung sowie stärkere finanzielle Abhängigkeiten und Lücken bei der Altersvorsorge. Diese Themen nimmt die Bundesstiftung im Rahmen ihres Fokusthemas Erwerbs-Sorge-Modell/Vereinbarkeit in den Blick.
Strukturwandel
Strukturwandelprozesse verändern Lebens- und Arbeitsbedingungen auf vielfältige Weise: Sie haben Einfluss darauf, wie Regionen sich entwickeln, wie und wo gearbeitet wird und wie gesellschaftliches Zusammenleben gestaltet ist. Diese Veränderungen eröffnen Chancen und Möglichkeiten für die Gestaltung von Zukunft – und bringen zugleich Herausforderungen mit sich. Dabei werden bislang Geschlechterfragen und Gleichstellung häufig nicht mitbedacht. Um Strukturwandelregionen zukunftsfähig zu gestalten, braucht es eine geschlechtergerechte Strukturpolitik.
Care-Arbeit
Unbezahlte Care-Arbeit, wie z.B. die Pflege von Angehörigen und die Fürsorge für Kinder, wird vornehmlich von Frauen geleistet (Gender Care Gap: 43,4 %). In der Folge sind Frauen öfter in Teilzeit beschäftigt und verdienen weniger (Gender Pay Gap 16 %). Aber auch in den Care-Berufen, etwa im Gesundheitswesen, sind Frauen überrepräsentiert. Care-Arbeit galt in der jüngeren Vergangenheit als weiblich, inzwischen wandeln sich aber die gesellschaftlichen Vorstellungen. Immer mehr Paare möchten die Care-Arbeit ausgewogen untereinander verteilen, werden aber teils von strukturellen Rahmenbedingungen daran gehindert.
Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt
Frauen und Männer arbeiten in verschiedenen Bereichen des Arbeitsmarkts. Einerseits gibt es Berufe und Branchen, in denen jeweils weit überwiegend Frauen (z. B. Care-Berufe) oder Männer (z. B. MINT-Berufe) arbeiten. Erstere werden dabei im Durchschnitt geringer entlohnt als männerdominierte Berufe. Anderseits verteilen sich Frauen und Männer auch ungleich auf die verschiedenen Hierarchieebenen des Arbeitsmarkts – Frauen erreichen deutlich seltener Führungspositionen. Beide Formen der Arbeitsmarktsegregation haben negative ökonomische Auswirkungen für Frauen.
Existenzsichernde Beschäftigung
Aufgrund der Ungleichverteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit finden sich viele Frauen in einer „Zuverdienerinnenrolle“. Ihr eigenes Einkommen reicht dabei häufig nicht aus, auch ohne den (Ehe-)Partner langfristig für sich selbst und ggf. auch die eigenen Kinder zu sorgen. Damit mehr Frauen über den Lebensverlauf und bis ins hohe Alter wirtschaftlich unabhängig leben können, braucht es u a. bessere Rahmenbedingungen für eine – partnerschaftliche – Vereinbarung von Beruf und Familie sowie die Aufwertung von Sozial- und Gesundheitsberufen.