Themenfeld Zeit
Zeit ist Leben: Warum Zeitpolitik zentral für die Gleichstellung ist
Obwohl der gesamtgesellschaftliche Wohlstand steigt, wird die frei verfügbare Zeit immer knapper: Immer mehr Menschen sind gestresst, leiden an „Zeitarmut“ und Erschöpfungssymptomen. Dies betrifft vor allem Frauen, die den Großteil der Sorgetätigkeiten übernehmen (Gender Care Gap 2025: 43,4 Prozent). Sie arbeiten deshalb häufiger in Teilzeit und haben niedrigere Löhne, schlechtere Karrierechancen und Lücken bei der Rente. Zeitpolitik ist ein zentrales gleichstellungspolitisches Handlungsfeld, um diese Problematik zu bekämpfen und die Ressource Zeit so zu verteilen, dass alle Menschen die Möglichkeit zur Existenzsicherung, Sorgearbeit, zur Selbstsorge und gesellschaftlichen Teilhabe haben. Bereits der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung plädierte daher für die Abkehr vom Ernährer- oder Adult-Worker-Modell hin zu einem Erwerb-und-Sorge-Modell, in dem alle Menschen Erwerbs- und Care-Arbeit unter einen Hut bekommen können.
Zeitpolitik
Zeitstrukturen – vom 8-Stunden-Tag über Kita-Öffnungszeiten bis hin zum gesetzlichen Rentenalter – sind keine Naturgesetze. Sie sind das Ergebnis vergangener politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Zeitpolitik macht genau diese Strukturen zum Gestaltungsgegenstand. Ihr Kernziel ist es, einen gesellschaftlichen Zeitwohlstand zu schaffen, der Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und demokratische Teilhabe für alle Menschen ermöglicht.