Armut – eine Frage des Geschlechts?

Auf einen Blick

Fast 13 Millionen Menschen waren im Jahr 2024 in Deutschland von Armut bedroht, das heißt beinahe jede sechste Person oder 15,5 Prozent der Bevölkerung (Statistisches Bundesamt 2025b). Nach dieser Statistik gilt jemand ab einem Einkommen, welches unter 60 Prozent des Medianeinkommens liegt, als armutsgefährdet1. Dabei zeigt sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern: 16,2 Prozent der Frauen und 14,7 Prozent der Männer waren 2024 von Armut bedroht – umgerechnet fast sieben Millionen Frauen und etwa sechs Millionen Männer (Statistisches Bundesamt 2025a). Die Statistiken zeigen auf den ersten Blick, dass Frauen im Durchschnitt häufiger von Armut bedroht sind als Männer. Doch es lohnt sich, auch einen zweiten Blick aus der Geschlechterperspektive auf das Thema Armut zu werfen. Denn im Zusammenwirken mit weiteren (Diskriminierungs-)Kategorien wie Alter, Herkunft, Behinderung sowie chronischen Krankheiten oder Bildung zeigen sich teils weitaus drastischere Ungleichheiten, die sowohl zum Nachteil von Frauen als auch zum Nachteil von Männern ausfallen können. Statistische Erhebungen folgen zudem bislang der binären Einordnung nach Männern und Frauen. Nicht-binäre Menschen sind in Statistiken bisher kaum erfasst. Dabei ist diese Menschengruppe vulnerabel und hat ebenfalls ein Risiko, von Armut betroffen zu sein.

Die sich schon über lange Zeiträume reproduzierenden geschlechterbezogenen Ungleichheiten in Bildung, Arbeit, Einkommen, Teilhabe, Autonomie und sozialer Anerkennung führen dazu, dass Verwirklichungschancen und Armutsrisiken ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt sind. Beispielsweise birgt die ungleiche Verteilung der gesellschaftlich notwendigen unbezahlten Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern ein erhebliches Armutsrisiko für Frauen. Besonders deutlich zeigt sich dies etwa im Falle von Trennung oder Tod des Partners, insbesondere wenn Kinder vorhanden sind, oder im hohen Alter (siehe auch Fachtext Existenzsichernde Beschäftigung). Alleinerziehende, dazu zählten in 2023 2,39 Millionen Mütter und 580.000 Väter (Statista 2024), sind besonders von Armut bedroht: Unter ihnen liegt die Armutsgefährdungsquote – je nach Datenquelle und genauer Definition – bei über 40 Prozent (Bundesregierung 2025c: 17). In nächster Konsequenz bedeutet das, dass auch die Kinder in (Familien-)Armut leben. Kinder von Alleinerziehenden machen neben Kindern von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss und/oder Einwanderungsgeschichte einen großen Teil der 2,2 Millionen armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen aus (Statistisches Bundesamt 2025d). In anderen Kontexten zeigt sich ein erhöhtes Armutsrisiko für Männer. So waren unter den 55.708 Schulabgänger*innen im Jahr 2023, die ihre Schullaufbahn ohne einen Abschluss beendeten, 60 Prozent Männer (BMBFSFJ 2024). Die resultierenden Schwierigkeiten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erhöhen das Armutsrisiko der Betroffenen beträchtlich.

Die Verbreitung von Armut in der Gesellschaft hängt also von den herrschenden Geschlechterverhältnissen ab. Eine nachhaltige Armutsbekämpfung kann daher nur gleichstellungsorientiert erfolgen. Es ist beispielsweise notwendig, die Rahmenbedingungen für eine gerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zu schaffen, um so Frauen eine eigenständige Existenzsicherung – und im Umkehrschluss ein reduziertes Armutsrisiko – zu ermöglichen. Besonders vulnerable Gruppen, wie diejenige der Alleinerziehenden, müssen zielgerichtet entlastet und unterstützt werden. Konkrete Maßnahmen zur Reduzierung (geschlechterabhängiger) Armutsrisiken könnten etwa darauf abzielen, den Gender Pay Gap abzubauen, die steuerliche Gleichbehandlung für alle Paar- und Familienformen einzuführen, Bildungszugänge zu erleichtern oder geschlechterunabhängige Aufstiegschancen zu fördern.

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von Claudia Chmel und Lukas Zielinski

Armutsdefinitionen

Materielle Armut, auf die sich dieser Fachtext fokussiert, ist ein individuelles Erleben und gleichzeitig ein gesellschaftliches Phänomen. Es ist zwischen objektiver und subjektiver Armut einerseits und absoluter und relativer Armut andererseits zu unterscheiden (bpb o. J.).

Objektive Armut kann demnach als „die wirtschaftliche Situation einer Person oder einer Gruppe von Menschen, in der diese nicht aus eigener Kraft einen als angemessen bezeichneten Lebensunterhalt bestreiten kann“ verstanden werden, während die subjektive Armut dann gegeben ist, wenn eine Person oder eine Gruppe von Menschen „ihre materielle Lage selbst als Mangel empfindet“ (ebd.).

Absolute Armut kann nach dem Entwicklungsausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) als „Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen“ verstanden werden. Zu diesen Grundbedürfnissen gehören u. a. der Konsum und die Sicherheit von Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung oder Bildung (BMZ o. J.).

Die relative Armut beruht auf einer objektiven Messung und bildet ab, dass Menschen abhängig vom generellen Lebensstandard in ihrem Umfeld unterschiedlich hohe Mittel benötigen, um ein „normales“ Leben zu führen. Relative Armut kann zu sozialer Ausgrenzung und einem Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe führen (Bäcker/Kistler 2024b). Da Lebensstandard und Lebenshaltungskosten international stark variieren, kann ein und dieselbe Person abhängig von ihrem Wohnort als entweder arm oder reich gelten.

Auswirkungen von Armut – Deprivation

Armut zeigt sich in einer Mangelversorgung der betroffenen Menschen. Die konkreten Mangelerscheinungen sind vielfältig und können Lebensbereiche umfassen wie Bildung, Digitalisierung, Gesundheit, soziale Teilhabe oder Wohnraum. Die einzelnen Mangelerscheinungen bedingen sich teils gegenseitig.

Diese Mangelerscheinungen lassen sich nach dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in drei Gruppen einteilen: offenkundige Unterversorgungen, unzureichende Finanzierbarkeit von benötigten Konsumgütern und schließlich Einschränkungen bei der sozialen Teilhabe (Schabram et al. 2025: 24–25). Abbildung 1 zeigt einige konkrete Ausprägungen materieller und sozialer Entbehrungen sowie jeweils die Betroffenheit armer und nicht-armer Haushalte.

Abb. 1: Einzelitems der materiellen und sozialen Entbehrung nach Armutsbetroffenheit, 2024
Hinweis: Abgebildet werden die Anteile einkommensarmer und nicht-einkommensarmer Haushalte, die von Einzelaspekten der materiellen Deprivation betroffen sind. Deprivation und Einkommensarmut sind eng miteinander verknüpft, aber keineswegs identisch.

Quelle: Der Paritätische (2025: 25); Datengrundlage ist MZ-SILC 2024; eigene Darstellung

Aus einem Mangel an finanziellen Ressourcen ergeben sich also vielfältige Entbehrungen. Diese haben wiederum Einfluss auf die Lebenszufriedenheit und Gesundheit der Betroffenen. Die enge Verbindung von Gesundheit und Armut wird auch mit „Armut macht krank – Krankheit macht arm“ umschrieben (nak 2025). Auch der 4. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung weist auf einen konkreten Aspekt dieses Zusammenhanges hin, wonach „Armut, die damit verbundene soziale Deprivation und der daraus resultierende Stress […] ungesunde und umweltbelastende Ernährungsstile [verstärken]“ (Bundesregierung 2025b: 128).

Auch gesamtgesellschaftlich wie politisch hat Armut messbare Auswirkungen. Armut schränkt die soziale Teilhabe ein. Der WSI-Verteilungsbericht 2025 zeigt beispielsweise, dass mit dem Einkommen auch das Vertrauen in die demokratischen Institutionen und die Wahlbeteiligung sinken. Das liege auch an der politischen Marginalisierung armer Menschen (Spannagel 2025: 14). Armen Menschen mangelt es an Chancen, Politik mitzugestalten, aber auch, um am kulturellen wie gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Langfristig stellt dies eine Bedrohung für die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt dar.

Armut messen

Die Armutsgefährdungsquote ist der wichtigste Indikator zur Messung von Armut. Sie wird anhand des Nettoäquivalenzeinkommens2 berechnet, welches das Haushaltseinkommen mit der Haushaltsgröße in Beziehung setzt. Damit wird berücksichtigt, dass die Lebenshaltungskosten nicht linear mit der Haushaltsgröße ansteigen, etwa weil man sich Wohnraum oder Haushaltsgeräte teilt. Bei dieser Berechnung spielen die Anzahl und das Alter der Haushaltsmitglieder eine entscheidende Rolle. Personen gelten als armutsgefährdet, wenn ihr (Nettoäquivalenz-)Einkommen nicht mindestens 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen) beträgt (Statistisches Bundesamt 2025c). Dort liegt also die Armutsgrenze bzw. genauer die Armutsgefährdungsschwelle. Konkret bedeutete das 2024 für eine alleinlebende Person, dass sie ab 16.571 € netto im Jahr bzw. 1.381 € im Monat als armutsgefährdet gilt. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren waren es entsprechend 34.800 € netto im Jahr bzw. 2900 € im Monat (Statistisches Bundesamt 2024). Im Jahr 2024 fielen laut dem Statischen Bundesamt 15,5 Prozent der Bevölkerung unter die Armutsgefährdungsschwelle, darunter 16,2 Prozent der Frauen und 14,7 Prozent der Männer (Statistisches Bundesamt 2025a).

Auf europäischer Ebene wird die einkommensbasierte Armutsgefährdungsquote noch um weitere Dimensionen der sozialen Ausgrenzung erweitert, um den Indikator AROPE (at risk of poverty or social exclusion – von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht) zu bilden. In diesen Indikator fließen neben der Armutsgefährdung nach der 60-Prozent-Schwelle auch die von den Befragten selbst eingeschätzte materielle und soziale Deprivation sowie Fälle sehr niedriger Erwerbsintensität ein. Letzteres ist der Fall, wenn die tatsächliche Erwerbsbeteiligung der erwerbsfähigen Haushaltsmitglieder gemeinsam weniger als 20 Prozent der maximal möglichen Erwerbsbeteiligung beträgt. Dies trifft beispielsweise auf eine alleinstehende Person zu, die zwei von zwölf Monaten im Jahr erwerbstätig war oder auf ein Paar, von dem nur eine Person vier von zwölf Monaten erwerbstätig war. Trifft einer dieser drei Sachverhalte zu, wird der Haushalt als „von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht“ gezählt. Aus diesem Grund liegt AROPE mindestens so hoch wie die Armutsgefährdungsquote, meist höher. 2024 lag die AROPE-Quote in Deutschland bei 21,1 Prozent. Das ist jede fünfte Person. Nach Geschlecht differenziert betrog die AROPE-Rate 21,9 Prozent für Frauen und 20,2 Prozent für Männer (Statistisches Bundesamt 2025b).

In den Armuts- und Reichtumsberichten der Bundesregierung wird ein noch umfangreicheres „Indikatorentableau“ zur statistischen Abbildung von Armut (sowie von Reichtum und ihrer gesellschaftlichen Bedingungen) zugrunde gelegt. Hierdurch soll sichergestellt werden, die Ausprägungen von Armut und sozialer Ausgrenzung in verschiedenen Lebenslagen abzubilden und sich so einer umfassenden Messung des facettenreichen Phänomens Armut anzunähern. Die elf Indikatoren zur relativen Armut bilden Aspekte wie Einkommensverteilung, Überschuldung, Arbeitslosigkeit, Mindestsicherung, materielle Entbehrung, Wohnen, Gesundheit und soziale Teilhabe ab (BMAS o. J.).

All dies zeigt, dass die Messung und statistische Abbildung von Armut schwieriger sind, als es auf den ersten Blick scheint. Des Weiteren sind aus gleichstellungspolitischer Sicht alle oben genannten Ansätze dahingehend einzuordnen, dass sie Armut ausschließlich auf der Ebene der Haushalte, und nicht individueller Personen betrachten. Dabei wird davon ausgegangen, dass Haushalte die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen gerecht untereinander aufteilen. Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass die haushaltsinterne Verteilung von Ressourcen Ergebnis komplexer Aushandlungsprozesse ist (Boll/Beblo 2013). Darüber hinaus „verschleiert [die Haushaltsperspektive] auch die geschlechterspezifisch ungleich verteilte Erwerbs- und Sorgearbeit“ (Böhnke et al. 2018: 167). Auch in scheinbar finanziell ausreichend abgesicherten Haushalten kann es arme Personen geben. Andererseits ist es äußerst wahrscheinlich, dass die überwiegende Mehrheit an Haushalten Ressourcen bis zu einem gewissen Grad teilt, etwa wenn man in einer gemeinsamen Wohnung lebt. Hier braucht es weitere Ansätze zur Armutsmessung, die nicht nur auf dem Einkommen basieren, sondern auch „weitere nicht-materielle, objektive und subjektive Dimensionen und Ressourcen (wie Gesundheit, Zeit und Wohlbefinden) [einbeziehen]“ (Böhnke et al. 2018: 167). Gleichzeitig sollten diese Ansätze auch die Verteilung innerhalb eines Haushaltes differenzierter betrachten, als es die Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens leistet. Zur Identifizierung besonders vulnerabler und von Armut gefährdeter Gruppen ist es zudem notwendig, Geschlechtervielfalt in der statistischen Berichterstattung zum Thema Armut zu berücksichtigen. Der Europarat merkt dazu an, dass es in ganz Europa an Daten zur Armutsgefährdung von TIN-Personen3 mangelt. Das ist problematisch, da viele Indizien darauf deuten, dass sie eine besonders vulnerable Gruppe darstellen. Laut einigen Umfragen seien etwa nahezu die Hälfte der trans* Personen in der EU von Armut gefährdet (Menschenrechtskommissar des Europarats 2024: 79 f.).

Exkurs: Armut und steigende (Wohn-)Kosten

Neben dem Einkommen spielen – sozusagen als „andere Seite der Medaille“ – die Lebenshaltungskosten eine große Rolle für die individuelle Armutsgefährdung. Im 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird etwa auch auf den starken Anstieg der Energie- und Verbraucherpreise als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine eingegangen (Bundesregierung 2025a). Darüber hinaus stehen steigende Wohnkosten, die gerade für einkommensschwächere Haushalte einen großen Ausgabenposten darstellen, im Zusammenhang mit der Armutsgefährdung (Schabram et al. 2024). Dies betrifft Aspekte wie die Entwicklung der Kaltmieten, Nebenkosten und den Erwerb von Wohnraum. Schon jetzt geben Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen im Durchschnitt mehr als ein Drittel ihres Nettoeinkommens für ihre Miete aus (Kholodilin/Baake 2024).

Prof. Dr. Stefan Sell fasst in seinem Artikel „Wohnen macht (mehr) arm“ zusammen: „Durch die Berücksichtigung von Wohnkosten wird eine bislang unsichtbare Gruppe von 5,4 Millionen Menschen sichtbar, die an und unter der Armutsgrenze lebt. Nicht 12,1 Millionen, sondern 17,5 Millionen Menschen müssen demnach als arm gelten. Die ‚konventionelle‘ Armutsquote wurde für 2023 mit 14,4 Prozent ausgewiesen – die wohnkostenbereinigte Armutsquote hingegen wird nun auf 21,2 Prozent angehoben“ (Sell 2025). In diesem Zusammenhang spielt auch die sog. Energiearmut eine Rolle. Sie beschreibt, dass ein Haushalt sich den Energiekonsum nicht leisten kann, der für einen angemessenen Lebensstandard erforderlich ist. Das zeigt sich darin, dass die Wohnung nicht ausreichend beheizt oder gekühlt oder die Heiz- und Stromkosten nicht mehr beglichen werden können (Bundesregierung 2025b: 113). Der 4. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigt, dass es auch hier Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern gibt: „Frauen sind aufgrund ihres geringeren Einkommens und Vermögens besonders von steigenden Wohn- und Energiekosten betroffen. Programme und Instrumente für den klimaneutralen Umbau des Gebäudebestands berücksichtigen solche geschlechterspezifischen Unterschiede nur unzureichend. Sie können Energiearmut und die finanzielle Belastung insbesondere alleinlebender Frauen und Alleinerziehender sogar weiter verschärfen“ (ebd.: 109).

Geschlechterungleichheiten und intersektionale Armutsrisiken

Wie zuvor gezeigt, beeinflusst das Geschlecht4 Armutsbetroffenheit und -risiken. Neben dem Geschlecht haben auch weitere Merkmale, wie etwa Alter, Bildung oder Herkunft, einen signifikanten Einfluss auf die individuelle Armutsgefährdung. Eine individuelle Betrachtung dieser einzelnen Merkmale in Bezug auf Armut verschleiert jedoch, dass diese in der Realität miteinander verwoben sind. Der dafür von der Juristin Kimberlé Crenshaw (1989) geprägte Begriff Intersektionalität verdeutlicht, „wie sich mehrere ineinandergreifende Systeme der Ungleichheit verbinden und eine einzigartige Form der Unterdrückung für Menschen mit mehreren marginalisierten Identitäten oder Status schaffen“ (Walgenbach 2011). Von Mehrfachdiskriminierung betroffene Menschen haben ein erhöhtes Armutsrisiko. Frauen mit Beeinträchtigung sind beispielweise durch einen erschwerten Zugang zu Bildung und Arbeit, ein geringes Einkommen sowie durch fehlende Altersvorsorge mehrfach diskriminiert und besonders armutsgefährdet (DIM o. J.).

Im Folgenden werden die intersektionalen Armutsrisiken schlaglichtartig anhand einer unvollständigen Auswahl von Verschränkungen von Geschlecht mit den Kategorien Alter, Familienstand, Bildung und Migrationsgeschichte illustriert. Auch weitere Kategorien, wie beispielsweise Behinderungen und chronische Erkrankungen, sind im Kontext Armut relevant. Hier besteht ein Forschungs- und Datenbedarf.

Ältere Frauen ab 65 Jahren

Erwachsene Personen sind außerhalb des Haupterwerbsalters, also zwischen 18 und 25 Jahren sowie ab 65 Jahren, am stärksten von Armut bedroht. Besonders die sogenannte Altersarmut findet in der Öffentlichkeit viel Widerhall. Viele Menschen haben Alterseinkünfte unterhalb oder nahe der Armutsschwelle; die Armutsgefährdungsquote für Frauen ab 65 Jahren liegt mit 21,4 Prozent dabei rund vier Prozent höher als für Männer gleichen Alters und fünf Prozent höher als für die Gesamtbevölkerung (Statistisches Bundesamt 2024). Wie der Paritätische Armutsbericht feststellt, ist also jede fünfte Frau ab 65 Jahren von Armut bedroht (Schabram et al. 2025). Auch sind über 70 Prozent derjenigen, die Grundrente beziehen, Frauen (Geyer/Haan 2024). Altersarmut ist ein wichtiges Thema für Frauen.

Ein Grund für das höhere Armutsrisiko von Frauen ab 65 Jahren findet sich im Gender Pension Gap. Frauen ab 65 Jahren, die eine Rente oder Pension bezogen, erhielten im Jahr 2024 im Durchschnitt brutto rund 1.720 Euro Alterseinkünfte pro Monat. Bei Männern waren es rund 2.320 Euro. Die Alterseinkünfte von Frauen waren damit durchschnittlich gut ein Viertel (25,8 %) niedriger als die von Männern. Werden abgeleitete Ansprüche auf Altersversorgung (Hinterbliebenenrenten und ‑pensionen) bei der Betrachtung ausgeklammert, ergibt sich ein noch höherer Gender Pension Gap von 36,9 Prozent (Statistisches Bundesamt 2025e). Diese differenzierte Betrachtung ist sinnvoll, zeigt die weiterhin signifikante Rolle sogenannter Witwenrenten doch, „dass die Frau in der Normalfamilie ihre materiellen Ressourcen und ihre soziale Sicherung zumindest weitgehend über den Ehemann bezieht. Das impliziert allerdings materielle und soziale Abhängigkeit und setzt weiterhin das Funktionieren dieses Familienmodells und das Fortbestehen der Ehe bis zum Tod voraus“ (Bäcker/Kistler 2024a).

Abb. 2: Durchschnittliches Alterseinkommen, 65 Jahre und älter
Quelle: Statistisches Bundesamt (2025c); Datengrundlage ist EU-SILC 2024, eigene Darstellung

Ursächlich für die geschlechterbezogenen Unter­schiede im Alterseinkommen ist maßgeblich die ungleiche Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit bei heterosexuellen Paaren. Diese führt dazu, dass Frauen insbesondere ab dem 30. Lebensjahr, der Zeit der typischen Familiengründung, bis ins höhere Alter seltener oder in geringerem Umfang erwerbstätig sind und weniger verdienen. Dadurch sind ihre Rentenansprüche im Vergleich zu Männern geringer (Statistisches Bundesamt 2024). Dazu kommt, dass das Leisten von Fürsorgearbeit nur zu geringfügigen Steigerungen des Renteneinkommens führt, „obwohl gerade heutige Rentnerinnen häufig über lange Phasen ihres Lebens Kinder erzogen und ggf. auch ältere Angehörige gepflegt haben“ (Klammer 2019).

Familienform und Geschlecht

Schon lange ist bekannt, dass Alleinerziehende das höchste Armutsrisiko haben, wie vom 2. Gleichstellungsbericht (Bundesregierung 2017: 33) und zuletzt vom 10. Familienbericht (Bundesregierung 2025c) thematisiert wurde. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter stellt ebenfalls fest: „Im Jahr 2023 lag das Risiko für Alleinerziehende und ihre Kinder, in Armut zu leben, anhaltend überproportional hoch und bei insgesamt 41 Prozent“ (VAMV 2024). Laut dem Statistischen Bundesamt waren rund 2,3 Millionen Mütter und etwa 496.000 Väter im Jahr 2024 alleinerziehend (Statista 2024).

Auch hier zeigt sich ein geschlechtsbezogener Unterschied, denn alleinerziehende Mütter sind häufiger von Armut betroffen als alleinerziehende Väter. Das Armutsrisiko variiert je nach individueller und familiärer Ausgangslage. In dem 2025 veröffentlichten Familienbericht wird festgestellt, dass das Armutsrisiko für geschiedene Mütter beispielsweise seit den 1990er Jahren gesunken ist, während es für Mütter, die aus nichtehelichen Lebensgemeinschaften heraus alleinerziehend wurden, gestiegen ist. Gründe für die Armutsbetroffenheit bzw. -gefährdung sind unter anderem fehlender Vermögensaufbau vor dem Eintritt in die Elternschaft als allein- oder getrennterziehende Eltern, Teilzeiterwerbstätigkeit, niedriger Bildungsabschluss, hohe Betreuungsintensität, inflexible Arbeitsmarktstrukturen und zeitliche Unvereinbarkeiten (Bundesregierung 2025c: 6–7).

In heterosexuellen Paarfamilien mit Kindern werden Erwerbs- und Sorgearbeit – teils auch durch Fehlanreize wie das Ehegattensplitting gefördert – häufig ungleich zwischen den Geschlechtern aufgeteilt, wie der Gender Care Gap zeigt. Im Jahr 2024 hatte von 56,6 Prozent der Paare der Mann ein höheres Einkommen als die Frau, bei 33,1 Prozent der Paare liegen beide in etwa gleich auf. Nur bei 10,3 Prozent der Paare ist die Frau die Haupteinkommensperson. Mit Kindern im Haushalt steigen die Unterschiede: Bei 7,8 Prozent der Paare hatte die Frau das höhere Einkommen, bei 65,7 Prozent der Mann, und bei 26,5 Prozent hatten beide ein ähnlich hohes Einkommen. Bei der Erhebung wurden nur Haushalte von Paaren unterschiedlichen Geschlechts betrachtet (siehe Statistisches Bundesamt 2025f). Frauen befinden sich mehrheitlich noch in der „Zuverdienerinnenrolle“. Diese reicht aber nicht für eine eigenständige Existenzsicherung aus, sodass Frauen wirtschaftlich abhängig bleiben: „Gut die Hälfte der beschäftigten Frauen in Deutschland verdient nicht genug, um ihre eigene Existenz über den Lebensverlauf zu sichern. Sieben von zehn beschäftigten Frauen wären mit ihrem aktuellen Verdienst nicht in der Lage, langfristig für sich und ein Kind zu sorgen“ (Pimminger 2025). Etwa im Falle einer Trennung oder des Tods des Partners sind diese Frauen einem erheblichem Armutsrisiko ausgesetzt, ebenso steigt das Risiko von Altersarmut.

Sowohl für Alleinerziehende als auch für Paarfamilien steigt das Armutsrisiko mit der Anzahl der Kinder, denn dadurch steigen die Ausgaben der Haushalte und gleichzeitig die Zeiterfordernisse für Fürsorge. Daraus kann resultieren, dass die Erwerbseinkommen sinken. Entsprechend steigt in allen Bundesländern das Armutsrisiko mit steigender Kinderzahl (Andresen et al. 2022). Kinder sollten in unserer Gesellschaft nicht als ein Risiko gesehen werden. Vielmehr sollten die Bedingungen wie fehlende Infrastruktur oder Jobs, die sich nicht mit Sorgearbeit vereinen lassen, verbessert werden.

Kinder sind ebenso selbst von Armut betroffen. In 2024 waren in Deutschland 14 Prozent der Kinder unter 18 Jahren armutsgefährdet. Das sind knapp 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche (Statistisches Bundesamt 2025d). Gerade die sogenannte Kinderarmut hat langanhaltende negative Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft als Ganzes. Denn wer bereits als Kind in Armutsverhältnissen aufwächst, hat es später schwerer, diesen zu entkommen. Armut im jungen Alter zeigt sich nicht nur im Verzicht im Alltag, sondern bedeutet häufig auch schlechtere Bildungschancen.

Bildung und Geschlecht

Monetäre Armut steht in einem engen Zusammenhang mit der sogenannten Bildungsarmut. Einerseits beeinflusst der familiäre Hintergrund, und dabei auch das zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen, in Deutschland weiterhin stark die Bildungschancen der Kinder. So hängt beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, das Abitur zu erreichen, stark vom Haushaltseinkommen ab (Wößmann et al. 2023). Anderseits reduziert ein hoher Bildungsstand das Risiko, von Armut betroffen zu sein, auch wenn „(zu) wenig zu verdienen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, […] keinesfalls ausschließlich ein Risiko bildungsarmer Menschen“ ist (Kohlrausch 2018: 183).

Die Armutsgefährdungsquote liegt für Menschen mit niedrigem Bildungsstand etwa dreimal höher als für Menschen mit hohem Bildungsstand (Statistisches Bundesamt 2025a). Das Risiko, im Lebensverlauf einmal von Armut betroffen zu sein, ist insbesondere für die diejenigen, die keinen allgemeinbildenden Schulabschluss, den Hauptschulabschluss oder keine abgeschlossene Berufsausbildung erreichen, hoch: Die Armutsgefährdungsquote für Hauptschulabgänger*innen ohne Abschluss liegt bei etwa 40 Prozent und damit etwa fünfmal so hoch wie für jemanden mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss (sozialpolitik-aktuell.de o. J.). Auch in diesem Zusammenhang zeigen sich relevante Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Je niedriger die Schulform oder Schulabschluss, desto stärker sind Jungen überrepräsentiert. Laut des Gleichstellungsatlas verfehlten im Jahr 2023 55.708 Jugendliche den Hauptschulabschluss, darunter 60,4 Prozent Männer. Von den 130.322 erfolgreichen Absolvent*innen der Hauptschule waren 2023 58,9 Prozent Männer.

Schon in den 2000ern und 2010ern wurde die These von „Jungen als Bildungsverlierern“ intensiv in Fachkreisen und in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Damals zeigte sich, dass selektive Erklärungsansätze wie etwa der einer „Feminisierung der Schule“ zu kurz greifen und stattdessen von einer Vielzahl von Faktoren eine Rolle spielen. So seien etwa auch Geschlechterunterschiede in Lernzugängen und Lernmotivationen, Medienkonsum, oder dysfunktionale Männlichkeitsvorstellungen sowie die dazugehörigen gesellschaftlichen Rollenbilder und Sozialisationsprozesse zu berücksichtigen (Cremers 2014: 22 f.; Budde 2008). Auch im Sinne der Armutsbekämpfung bleibt es weiterhin wichtig, diese geschlechterbezogenen Ursachen für Bildungsmisserfolge zu adressieren. Auch wenn es mitnichten ein Allheilmittel ist, zeigt sich doch, dass ein höherer Bildungsstand mit einer geringeren Armutsgefährdung einhergeht.

Migration und Geschlecht

Migration kann ein Weg aus der Armut sein. Ein großer Teil der globalen Arbeitsmigration ist eine Reaktion auf existenzbedrohende Umstände (Böhnke et al. 2018: 154 ff.). Arbeitsmigration ist jedoch nicht der einzige Grund für Migration, auch Flucht und Familiennachzug sind wichtige Auslöser. Und dennoch sind Zugewanderte und Personen mit Migrationshintergrund5 in den Ankunftsländern stärker von Armut bedroht als Nichtzugewanderte (ebd.). Beträgt die Armutsgefährdungsquote unter Deutschen ohne Migrationshintergrund 11,8 Prozent, steigt sie bei Deutschen mit Migrationshintergrund (aber ohne eigene Migrationserfahrung) auf 15,7 Prozent, bei Deutschen mit eigener Migrationserfahrung auf 20 Prozent und bei Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit Migrationserfahrung auf 30,9 Prozent (Statistisches Bundesamt 2025g). „In absoluten Zahlen machen diejenigen mit deutscher Staatsangehörigkeit jedoch den Großteil der Armen aus, denn 70,2 Prozent der Armen besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit“ (Schabram et al. 2025: 19).

Wie in der Gesamtgesellschaft sind auch unter den Menschen mit Migrationsgeschichte mehr Frauen als Männer von Armut bedroht. Beispielsweise sind Frauen mit eigener Migrationserfahrung mit 28,3 Prozent häufiger von relativer Einkommensarmut (gemäß der Armutsgefährdungsquote) betroffen als Männer mit eigener Migrationserfahrung (26,5 %) (Statistisches Bundesamt 2025h, Tabellenblätter 12211-60 bis -62). Die Gründe für die höhere Armutsgefährdungsquote sind ähnlich denen in der Gesamtgesellschaft, wie etwa die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit (Frings/Conrad 2024). Sie werden aber noch verstärkt von einem strukturell durch Diskriminierung und Rassismus eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und von fehlender Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse und Sprachbarrieren (Hachenberg, in Vorbereitung).

Abb. 3: Armutsgefährdungsquoten von Menschen mit Migrationshintergrund, 2024
Hinweis: Anteil der armutsgefährdeten Personen in Prozent, gemessen am mittleren Einkommen auf Bundesebene (Bundesmedian). Bei Einkommen unter 60 Prozent des Medianeinkommens gilt man als armutsgefährdet.

Quelle: Statistisches Bundesamt; Datengrundlage ist der Mikrozensus 2024; eigene Darstellung

Die Differenzierung nach der Kategorie „Migrationshintergrund“ des Statistischen Bundesamts ist jedoch zu weit gefasst, als dass sie die vielfältigen und unterschiedlichen Lebensrealitäten der Personen beschreiben könnte, die darunterfallen. Aus diesem Grund birgt die Differenzierung nach rassistischer Markierung einen wichtigen Erkenntnisgewinn. Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismus-Monitor 2024 greift dieses Thema auf und demonstriert mit seinen Befunden, wie wichtig der Einbezug einer rassismuskritischen Perspektive ist. „Rassistisch markierte Gruppen [Anm.: in dem Bericht muslimisch, asiatisch, Schwarz] sind selbst bei einer Vollzeiterwerbstätigkeit oder bei hoher Bildung einem höheren Armutsrisiko als nicht rassistisch markierte Menschen ausgesetzt“ (Salikutluk/Podkowik: 19). Die Armutsgefährdungsquote liegt nach den Ergebnissen des Berichts bei nicht rassistisch markierten Männern bei neun Prozent bzw. bei Frauen bei zehn Prozent. Hingegen trifft Armutsgefährdung 26 Prozent der Schwarzen Männer und Frauen (gleich hoch), 30 Prozent bzw. 26 Prozent der asiatischen Männer und Frauen sowie 41 Prozent bzw. 38 Prozent der muslimischen Männer und Frauen (Männer sind stärker gefährdet) (ebd.: 6). Auch hier zeigen sich also geschlechtsspezifische Unterschiede.

Fazit

Armut ist ein gesamtgesellschaftliches und komplexes Problem, welches Menschen „je nach Geschlecht in unterschiedlichem Maße und differenter Weise konfrontiert“ (Kortendiek et al. 2019: 791). Intersektionale Verschränkungen verstärken das Risiko der Betroffenheit. Frauen sind aufgrund von Diskriminierung, tradierten Rollenbildern oder aufgrund der ungleichen Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit im Durchschnitt häufiger von Armut bedroht und betroffen als Männer. Hinter den allgemeinen Durchschnittswerten stehen besonders vulnerable, teils von Mehrfachdiskriminierung betroffene Gruppen, wie Alleinerziehende und ältere Frauen, Schulabbrecher*innen und Migrant*innen. Als wirkungsvolle Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut lassen sich folgende ableiten: Die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu stärken, etwa durch den Abbau des Gender Pay Gaps; die steuerliche Gleichbehandlung für alle Paar- und Familienformen; erleichterte Bildungszugänge und geschlechterunabhängige Aufstiegschancen sowie besonders vulnerable Gruppen in den Blick zu nehmen. Hierzu sollte auch die entsprechende Forschung fortgeführt werden, insbesondere solche, die den gesamten Lebensverlauf in den Blick nimmt.

Und nicht nur in Deutschland zeigen sich geschlechtsbezogene Ungleichheiten, die zu einem erhöhten Armutsrisiko führen. Das europäische Institut für Gleichstellungsfragen fasst in der Veröffentlichung „Armut und Geschlecht während des gesamten Lebenszyklus“ zusammen, dass Frauen durch Benachteiligungen am Arbeitsmarkt, durch fehlende Angebote zur Schaffung eines Gleichgewichtes zwischen Arbeit und Privatleben sowie durch die ungleiche und geringgeschätzte Verteilung unbezahlter Sorge- und Hausarbeit in ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit eingeschränkt werden. Diese Nachteile wirken sich über das gesamte Leben aus und zeigen sich besonders im Alter, in dem Frauen ein höheres Risiko für Armut und soziale Ausgrenzung haben. Um die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen dauerhaft zu verbessern und lebenslange Ungleichheiten abzubauen, müsse Politik Geschlecht und Lebensverlauf systematisch berücksichtigen (siehe auch EIGE o. J.: 3).

Armut führt dazu, dass Menschen sich im Stich gelassen fühlen. Sie machen überdurchschnittlich Diskriminierungserfahrungen (Morgenstern 2024). Armut wird individuell erlebt und führt gleichzeitig zu gesellschaftlichen Problemen, da die soziale Teilhabe eingeschränkt wird. Eine geschlechtergerechte Verteilung von Bildung, Einkommen, Erwerbslebensläufen sowie von Altersrenten kann Armut entgegenwirken und die Demokratie stärken.

Stand: Dezember 2025

Über die Autor*innen

Claudia Chmel studierte Sozialpädagogik in Dortmund. Von 2000 bis 2017 war ihr Arbeitsschwerpunkt Gewalt gegen Frauen in NRW, anschließend Alleinerziehende in Berlin. Sie ist ausgebildete Mediatorin und systemische Therapeutin. Seit April 2023 ist sie als Mitarbeiterin der Bundesstiftung Gleichstellung im Bereich Wissen, Beratung, Innovation tätig.

Lukas Zielinski hat Public Policy an der Hertie School Berlin studiert. Seit 2022 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Wissen, Beratung und Innovation der Bundesstiftung Gleichstellung. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf Gleichstellungsindikatoren und -statistiken sowie auf geschlechtsspezifischen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt.