Das Optionszeitenlabor – ein Kooperationsprojekt

Optionszeitenlabore – das Konzept

Das Optionszeitenmodell ist ein zeitpolitischer Reformvorschlag. Es wurde von Dr. Karin Jurczyk und Prof. Ulrich Mückenberger von der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik entwickelt und zielt darauf ab, gesellschaftlich relevante Tätigkeiten rechtlich und monetär abgesichert in den Erwerbsverlauf zu integrieren. Alle Menschen sollen demnach ein Zeitbudget von circa neun Jahren im gesamten Lebensverlauf erhalten, um ihre Erwerbsarbeit zugunsten anderer gesellschaftlich relevanter Tätigkeiten zu unterbrechen oder zu reduzieren (Jurczyk/Mückenberger 2020). Das Modell sieht eine Zweckbindung vor: Sechs Jahre können auf Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Pflege und Ehrenamt) verwendet werden, zwei Jahre auf Weiterbildung und ein Jahr auf Selbstsorge. Dadurch will das Modell einen Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik einläuten: Die männlich konnotierte Norm des dreigeteilten Lebenslaufs in eine Bildungs-, Berufs- und Rentenphase ohne jegliche Erwerbsunterbrechungen soll ersetzt werden durch eine bedarfsorientierte und selbstbestimmte, atmende Gestaltung von Lebensläufen, in der Unterbrechungen oder Reduzierungen der Erwerbsarbeit regelmäßig möglich sind. Eine geschlechtergerechtere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit soll somit ermöglicht werden (Jurczyk/Mückenberger 2020).

Zentrale Bausteine des Konzepts wurden im Rahmen eines interdisziplinären vom Bundesministerium für Arbeit geförderten Forschungsprojekts ausgearbeitet (ebd.) und vielfach präsentiert und mit relevanten Stakeholdern diskutiert. Im Jahr 2022 wurden die offen gebliebenen Fragen im Rahmen einer vom Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) finanzierten Studie systematisiert.

An diesen Fragen setzt das Projekt der Bundesstiftung Gleichstellung und der DGfZP an. Gemeinsam mit ausgewählten zeitpolitischen Expert*innen haben Bundesstiftung und DGfZP von 2023 bis 2025 über offene konzeptionelle und anwendungspraktische Fragen des Modells diskutiert. Dabei wird an die Forderungen des Zweiten Gleichstellungsberichts (Bundesregierung 2017) nach einem Erwerb-und-Sorge-Modell angeknüpft, in dem alle Menschen – unabhängig vom Geschlecht – private Care-Arbeit mit einer existenzsichernden Erwerbsarbeit verknüpfen können.

Rückblicke zu den Optionszeitenlaboren (2023-2025)

Die Auftaktsitzung der Optionszeitenlabore fand am 12. und 13. Oktober 2023 in Berlin statt. Hier wurden die gleichstellungspolitischen Dimensionen des Modells als Grundlage und Querschnittsthema für die darauffolgenden Workshops aufgefächert. Dr. Petra Follmar-Otto, Leitung der Abteilung Gleichstellung im BMFSFJ, eröffnete das Labor mit einem Impulsvortrag zur Bedeutung von Zeitpolitik für Gleichstellungspolitik.

Das zweite Optionszeitenlabor fand am 24. und 25. April 2024 in den Räumlichkeiten der Bundesstiftung Gleichstellung in Berlin statt und vertiefte das Thema der betrieblichen Umsetzung. Hier diskutierte der feste Teilnehmendenkreis des ersten Labors mit Vertreter*innen ausgewählter Unternehmen (u.a. Vaude, GLS Bank und Schneider Bau), sowie Vertreter*innen von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden über die Möglichkeiten und Grenzen für eine Umsetzung atmender Lebensläufe auf betrieblicher Ebene. Mit Prof. Dr. Heide Pfarr diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie das Optionszeitenmodell und das Wahlarbeitszeitgesetz zusammengedacht werden können.

Das dritte Optionszeitenlabor fand am 25. und 26. Juni 2025 statt und widmete sich dem Thema zivilgesellschaftliches Engagement. Im Mittelpunkt standen dabei die Bedingungen und Potenziale für eine geschlechtergerechte Freistellung zugunsten ehrenamtlicher Tätigkeiten. Einen ausführlichen Rückblick zum dritten Optionszeitenlabor finden Sie hier.

Abschlussveranstaltung – digitaler Ergebnissalon

Über drei Jahre hinweg brachten die Bundesstiftung Gleichstellung und die DGfZP Akteur*innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um in den drei Optionszeitenlaboren intensiv zu diskutieren, wie eine neue gleichstellungsorientierte Zeitpolitik konkret aussehen kann – von der betrieblichen Umsetzbarkeit bis hin zum Stärken des zivilgesellschaftlichen Engagements. Mit dem digitalen Ergebnissalon fanden die Optionszeitenlabore im Jahr 2026 ihren Abschluss. Einen ausführlichen Rückblick zum digitalen Ergebnissalon mit sechs Erkenntnissen für eine neue gleichstellungsorientierte Zeitpolitik sowie einem Ausblick in die Zukunft finden Sie hier.

Praxismaterialien

Hier können Sie unsere Transfer-Poster zu den Optionszeitenlaboren (2023-2025) herunterladen. Die Poster sollen dabei helfen, die Erkenntnisse aus den Laboren greifbar zu machen und als konkrete Übersetzungshilfe für Ihre Praxis vor Ort dienen. Sie wurden gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik (DGfZP) e.V. entwickelt.

Die beiden Poster fassen die zentralen Befunde aus den Optionszeitenlaboren zu den Schwerpunkten „Zeit im Betrieb – Gleichstellung gestalten“ und „Zeit für Engagement – Gleichstellung gestalten“ übersichtlich zusammen. Als verbindendes Element finden Sie auf den Rückseiten jeweils eine anschauliche Grafik des zugrundeliegenden Optionszeitenmodells. Hier können Sie alle drei Motive der Vorder- und Rückseiten einzeln als PDF herunterladen.

Download Poster „Zeit im Betrieb“

Download Poster „Zeit für Engagement“

Download Poster „Optionszeitenmodell“

Wir hoffen, dass diese Poster Sie in Ihrer täglichen Arbeit und in politischen oder betrieblichen Diskussionen gut unterstützen. Sollten Sie für Ihr Netzwerk weitere Druckexemplare benötigen, kommen Sie gerne auf uns zu.